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H A N D B U C H   D E S   B E W U S S T WA N D E R N S   O N L I N E

Was heißt das für die Ausbildungspraxis? Diese Ausbildung kommt um die 
individuelle Auseinandersetzung mit den Erkenntnissen der neuen Biologie, 
der Hirnforschung und anderer Naturwissenschaften nicht herum. Genau so 
ist eine Auseinandersetzung mit der eigenen Erlebniswelt und denen deiner 
Mitmenschen während und nach der Ausbildung unumgänglich. Auch lässt 
sich   die   Auseinandersetzung   mit   den   großen   emotional-assoziativen 
Gedanken   wie   Angst,   Zweifel,   Hoffnung,   Liebe,   Vertrauen   und   die 
Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben und die Auseinandersetzung 
mit   der   alltäglichen   und   veränderlichen   Vielfalt   kaum  aussparen.   Die 
Ausbildung zum ganzheitlich-freien Denken berührt dein Leben in allen 
Bereichen aussöhnend, egal wie geduldig und liebevoll rückkoppelnd du 
dich mit deinem RW-, EW-  oder MW einem Gedanken, einem Thema, 
einer   Person   oder   Wesenheit   oder   der   Umgebungssituation   im 
Alltagsmoment näherst.
Nehmen wir den Glauben. Es fällt heute viel leichter zu glauben als noch 
vor 20 oder gar vor 10000 Jahren. Glauben ist nicht einfach da, der Glaube 
entsteht.  Zuerst  glaubt  der  neugeborene  Mensch  den  Eltern  unbewusst. 
Später glaubt man an seine Kindheitserlebnisse, dann glaubt man etwas zu 
wissen,  dann  glaubt   man  die  Liebe  zum  Partner   oder  zu  den  Dingen, 
Situationen und Orten zu fühlen. Zuerst entsteht im Alltag unterbewusst 
Gewissheit und Sicherheit im Umgang mit der Vielfalt, später Vertrauen 
und  dann  ist   es   nur   ein   kleiner   leichter,   fast   selbstverständlicher   und 
sicherer   Schritt   zum  bewussten  Glauben,   oft   nur   eine  Formsache.   Du 
glaubst dann an auch an Dinge, die du nicht folgerichtig-rational erklären 
musst, willst oder kannst. Das heißt natürlich nicht, dass du automatisch 
auch an das Letzte, das Richtige, das Eine glaubst oder glauben musst. 
Auch  der   Glauben  kann  sich  verändern  wachsen,  lebendig  sein,   seine 
Freiheit und Relativität bewahren. Die besondere Gewissheit, der Glaube 
beginnt aber immer in der eigenen Alltagserfahrung und dürfte eine Basis 
haben und doch recht individuelle Züge tragen.
Zum Beispiel: Ich halte das erste Mal einen Hammer in der Hand, erlebe 
ihn mit meinen Sinnen. Ich weiß nun was ein Hammer ist. Ein Gedanke, ein 
Name,   ein   Ding,   ein   Teil   der   Vielfalt.   Nach   dem   20.   Hammer   im 
Werkzeugladen, bei Opa im Schuppen oder in der eigenen Werkzeugkiste 
entsteht  so  etwas   wie  Gewissheit.   Später   bin   ich  Schmiedlehrling  und 
bekomme  ein  emotional-assoziatives   »Gespür«  für   den  Hammer.  Mein 
Vertrauen  in   den  Hammer   und  seine   Wirksamkeit   wächst   mit  meinen 
Hammererfahrungen.
Spätestens nach 30 Jahren als Schied ist es nur eine formelle Sache zu 
sagen: „Ja, wahrlich ich glaube daran, dass es meine Hämmer unten in der 
Schmiede  gibt,   egal  was   sie   sonst  noch  sind,  oder  für  andere  zu  sein 

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