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H A N D B U C H   D E S   B E W U S S T WA N D E R N S   O N L I N E

unrechtmäßig, ohne zu fragen, zu entern (ändern). Na, ich tue es, auch 
wenn es »ein bisschen Klauen« ist. Oma weiß Bescheid, seit dem ich 5 bin 
und mir die ganze Keksdose beim »Klauen« runtergeprasselt ist. Als Oma 
mich gefragt hat, ob ich Kekse klauen wollte, habe ich nach unten geguckt 
und   nur   „hm“   gebrummt,   wie   eine   Oberklaubrummfliege.   Oma   hat 
verschmitzt gelacht und gesagt: „Das nächste Mal bist du aber ein wenig 
geschickter und passt ein wenig besser auf die Leckerkekse auf – die backe 
ich ja nicht nur für die Katze – sondern für Uns!“
RW-Antwort: »Klauen« können wir mit »Vertrauen« in positive Verbindung 
bringen.   Vertrauen   ist   bei   dem  einen  stark,   dem  anderen   schwach,   je 
nachdem, wie stark sein Vertrauen zu sich und seiner Umgebung ist. Das 
Nehmen   wird   zum   Klauen,   wenn   das   Vertrauen,   dass   der   Wert   des 
Genommenen   auf   angemessene   Weise   vom   Nehmer   freiwillig 
zurückgezahlt wird, nicht mehr beim so Beklauten vorhanden ist. Oder 
anders: Das Nehmen wird zum Klauen, wenn das Vertrauen des Diebes zu 
sich selbst, dass er den Wert des Diebesgutes auf angemessene Weise dem 
Beklauten freiwillig zurückgeben kann, nicht mehr vorhanden ist. 
Wie fest das Vertrauen eines Mitmenschen zu sich selbst und anderen ist, 
weiß ich nie genau. Das Nehmen bleibt also eine heikle Sache – solange 
das Vertrauen zu mir selbst und meine Aussöhnfähigkeit mangelhaft sind. 
Außer bei der Oma, weil sie »Eins« ist mit ihrem Enkel und ungebrochenes 
Urvertrauen   hat.   Nicht   nur   auf   sich   vertraut,   sondern   auch   auf   mich 
vertraut, auch wenn ich mir selber noch nicht recht vertraue und deshalb 
manchmal beim Nehmen – klaue.
Bei  Oma  wird  das  Klauen  zum Vertrauensbeweis!  Dieser   Gedanke  ist 
schon etwas vertrauter. Und vielleicht wird durch solche RW-Meditation 
das   Klauen   nächstes   Mal   zum   Nichtklauen   und   kann   dadurch   zum 
Nachdenken über dauerhaftes Vertrauen anregen.
RW-Antwort: Ja. Klauen hat eine Bedeutung in meinem Leben. Ich kenne 
den Begriff des Klauens, habe Klauerlebnisse, bin schon beklaut worden. 
Klauen   gibt   es   nur   in   Beziehungen,   welche   gegenseitiges   Vertrauen, 
Geduld,   Harmonie,   Zufriedenheit,   Ehrlichkeit,   ganzheitlich-freie 
Gemeinschaft   nicht   kennen.   Solang   im  Nehmen  und  Geben   nicht   das 
Vertrauen gesehen wird – gibt es Diebe und Beklaute, Nehmer und Geber. 
Wobei beide das gleiche Problem während der Tat bzw. davor oder danach 
haben   –   Mangel   an   Vertrauen   oder   Mangel   an   dem   wirkungsvollen, 
zweifelsfreien emotional-assoziativen Gedanken des Vertrauens. Es bleibt 
dann   immer   ein   Schuldgedanke   zuviel   oder   zuwenig   gegeben   oder 
genommen zu haben.
Vertrauen ist kaum zu bemessen. Entweder es ist oder es ist zweifelhaftes 
Vertrauen.   Wenn   Vertrauen   ein   zweifelsfreier   emotional-assoziativer 

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