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H A N D B U C H   D E S   B E W U S S T WA N D E R N S   O N L I N E

und   berührt   mich   über   die   emotional-assoziative   Funktionsebene   viel 
intensiver. Ich benötige den Mut zur Stille... ja jetzt kann ich es... es ist ein 
Liebeslied, ich kann es emotional-assoziativ mitdenken, mithören (bewusst 
fühlen). Ich befinde mich in einer neuen Phase.

(Phase oder Stadium der Verschmelzung)

In   dieser   Phase   schalte   ich   von   rational-folgerichtiger/   serieller 
Verarbeitung   auf   emotional-assoziative/   parallele   Verarbeitung,   auf 
komplexeres emotional-assoziatives Denken um. Das ist am Anfang nicht 
so einfach. Leichter fällt es, wenn es mir dabei gut geht, ich liebevoll die 
Musik höre, ich sie mag, ich entspannt bin und ausgesöhnt und mich so 
meiner neuen Musik besser emotional-assoziativ öffnen kann. Ich muss die 
rational-folgerichtige Welt immer wieder rückkoppeln und aussöhnen, um 
mich umso intensiver und abgesicherter wieder der emotional-assoziativen 
Erlebniswelt im Moment widmen zu können. 
Wenn ich gerade Ärger hatte oder gar Angst bekomme, dann finde ich 
schwieriger den Zugang zu dieser Liebesliedmusik. Ich erlebe dann zwar 
auch die Situation emotional-assoziativ denkend, jedoch negativ geladen 
und   vergangenheitsfixiert.   Ich   benötige   dann   die   bewusste   MW/EW-
Umschaltarbeit und zack – bin ich wieder lieb – und nicht mehr ärgerlich 
oder ängstlich! Na ja, so einfach geht das nicht, aber mit viel Übung und 
bewusster Rückkopplung und Aussöhnung geht es bald viel schneller mit 
der bewussten MW/EW-Umschaltarbeit. Am einfachsten ist es, wenn du 
einfach wieder lossprichst und deinen Arger oder deine Liebe vor dich hin 
erzählst und nach einer Weile so rumerzählen – schwupps – bist du wieder 
mehr in der folgerichtig-rationalen Denk- und Erlebniswelt. Dann kannst 
du   wieder   gelöster   und   weniger   negativ   geladen   in   die   emotional-
assoziative Erlebniswelt umschalten. 
Sprache kann zu einem positiven emotional-assoziativen Gedanken, einer 
positiven   emotionalen   Stimmung  hinführen.   Übertreibst   du   jedoch  das 
rational-folgerichtig   Sprechen,   lässt   du   sozusagen   der   emotional-
assoziativen  Welt   weniger   Platz,   so   kannst   du  oft   deine  grosse   MW-
Umschaltarbeit zum emotional-assoziativen Denken hin oder deine kleine 
MW/EW-Umschaltarbeit behindern. Merke dir während der Ausbildung in 
diesem   Zusammenhang   die   Bewusstwanderfaustregel:  Wer   länger 
spricht, verliert Gefühl! 
Sprache und rational-folgerichtiger Verstand sind 
bei uns Menschen stark verquickt und in einer Koevolution entstanden. 
Aber   auch   hier   gibt   es   ein   Türchen   zur   emotional-assoziativen 
Funktionsebene für dein MW in der Alltagspraxis. Es ist der Gesang bzw. 
das gefühlvolle Wort, die Dichtung, die Kunst mit Worten umzugehen. 

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