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H A N D B U C H   D E S   B E W U S S T WA N D E R N S   O N L I N E

unverkrampft schaust du dir die Bilder an. Die kennst du zwar schon alle – 
aber du gibst dir Mühe mit den Details, schließlich geht es ja um das 
Suchen nach der Vielfalt und da schaust du dir bei jedem Foto die Schuhe 
der Leute an...
Und was du nicht alles für Schuhe siehst und findest! Dir fällt zum ersten 
Mal auf, dass die vier etwas verschwommenen und verknoteten Beine im 
dunklen Gebüsch zu deinem Freund und eurer Nachbarin gehören. Die 
olivgrünen Turnschuhe kennst du doch. Das Momenterlebnis haut dich fast 
um. Und bisher hast du auf diesem Partybild immer nur dich gesehen, wie 
du stockbesoffen und auf allen Vieren im Vordergrund (mit der) Schildkröte 
gespielt   hast.   Und  nun  kommt  es   zu   weiteren  Verbindungen  zwischen 
anderen Erlebnissen – sicherlich ganz automatisch. Und du lässt es nun 
fließen und versuchst dein Bilderlebnis positiv auszusöhnen. Keine leichte 
Aufgabe.  Eine  der  vielen  möglichen Verbindungen:  Du  weißt  jetzt erst 
genau, warum deine Freunde immer so verspannt waren in letzter Zeit und 
besonders mit diesem Fotoalbum in der Runde. Und du hast auch noch 
darüber hinweggelacht – wegen der Schildkröte und so. Und nun kommt 
eine Verbindung  nach der  anderen.  Fast  von  allein  wanderst  du  in  der 
Vielfalt deiner Erinnerungen – und schon ist die erste Stunde vorbei. Deine 
Gehirnentwicklung hat gewaltige Sprünge gemacht und du darfst ein wenig 
stolz auf dich sein. Nicht zuletzt weil du bei diesem emotional krampfigen 
Thema  die  wundervolle Vielfalt  deiner Umgebung, deiner  Erinnerungen 
und Gedanken nicht aus dem Bewusstsein verloren hast.
Vergiss die Nachbereitungsphase nicht! Mit ihr schließt du jedes Erlebnis 
ab   und   beendest   so   wissentlich   deinen   ersten   kleinen   bewussten 
Weiterwanderzyklus   und   deine   erste   klassische   Erlebniswanderung. 
Prinzipiell kannst du deine erste klassische Erlebniswanderung nun getrost 
aussöhnen und sogar vergessen, denn dein Nervensystem hat sich bestens 
entwickelt.
Hinweis:   Natürlich   wäre   zu   wünschen,   dass   deine   erste   klassische 
Erlebniswanderung   nicht   so   dramatische   Veränderung   in   dein 
Nervensystem und deine zwischenmenschlichen Beziehungen bringt. Doch 
du solltest damit rechnen, dass einige Dinge ans Licht kommen, die dir bis 
jetzt   entgangen   sind.   Das   gilt   für   deine   private   und   auch   für   deine 
gesellschaftliche Umgebungsvielfalt. 
Letztlich ist es ja auch Sinn und Zweck der Ausbildung bewusster zu sein, 
wahrhaftiger zu leben. Es ist also keine Ausbildung zum Strauss! Eins kann 
dir  vielleicht  in  der  Startphase  deiner  klassischen  Erlebniswanderungen 
helfen:   Auch   »außerhalb«   deiner   Ausbildungszeiten   gelten   die 
Wanderweisheiten, sonst wären sie keine geworden. Zum Beispiel: Es geht 
weiter! Oder: Nichts überbewerten!

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