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H A N D B U C H   D E S   B E W U S S T WA N D E R N S   O N L I N E

deine Lieblingswirkeinheit, sagen wir deine Freundin. Du stellst sie dir vor, 
so gut du eben kannst. 
In den ersten Minuten wirst du nur kleine, undeutliche, weißlich/ beige/ 
gelbe Flecken auf schwarzem Grund erkennen können, von der Freundin 
keine Spur. Das ist normal, denn dein Nervensystem muss sich erst einmal 
»warmdenken« und sozusagen von der »äußeren auf die innere Leinwand« 
umschalten.   Du   hältst   dich   noch   gar   nicht   bei   den   interessanten 
Vorstellungsdetails  auf,  die  in  dieser Anfangsphase  noch  nicht  so  recht 
bildlich hervorkommen wollen.
Du lässt vielmehr deine Freundin in Gedanken tanzen, oder schwimmen 
und schaust dir ihre süßen Zappelbeine von unten an und lässt dich unter 
ihr ganz genüsslich und frech hindurchtauchen, das Wasser ist klar und die 
Sonne   glimmert   von   oben,   wie   in   einem   Raumschiff   schwebt   ihr 
zusammengekringelt dahin, dann lässt du sie an dir vorbei schweben und 
zoomst dich von hinten über ihren Po bis hoch zu den Schultern, an ihre 
Achsel vorbei und wanderst detailtechnisch wohin du willst...
Guckst dir zwischendurch die Sterne an und stellst dir vor, wie gerade die 
Sonne über der Erde aufgeht und du das alles auch in den süßen dunklen 
Augen deines Raumschiffengels sehen kannst. Du siehst darin die Erde, die 
heute   ausnahmsweise   einen   regenbogenfarbigen   Himmel   hat   mit 
zitronengelben   Düsenfliegerstreifen   und   spürst   etwas   Appetit   auf 
Schokomilch. 
Die   schüttet   ihr   in   die   Luft   und   ihr   zutscht   euch   gegenseitig   die 
Schokomilch aus diskreter Entfernung aus dem Mund und du siehst im 
Auge  deiner   Freundin  die  Armaturen   eures   Raumschiffs   leuchten.   Du 
zoomst  dich  in  das  Spiegelbild  und  entdeckst im  rötlich  schimmernden 
Anzeigegeflimmer... das Geburtsdatum deiner Großmutter, die jetzt 400000 
km weiter weg diesen leckeren Pflaumenkuchen mit Schokosplittern drauf, 
auf   den   kleinen   viereckigen   Multifunktionstisch   stellt   und   dabei   alle 
tausend und eine Falte lustig verzieht, die sie hatte und sagt: Na, wer von 
euch zwei verliebten Spacecowboys will ein Stückchen... .

Du   versuchst   also   kreativ,   verbindend   zu   träumen.   Versuche   also 
geschmeidig den Focussiervorgang zu bremsen bzw. den Freidrehvorgang 
zu   fördern,   indem   du   bekannte   Erlebnisse   oder   Vorstellungen 
zusammenspinnst und nie zu lange irgendwo verweilst. Das ganze Steuern 
und Herummeditieren benötigt Übung. Nach täglichem Ausprobieren wirst 
du nach wenigen Wochen ein Meditations- und Steuerguru sein. Wesentlich 
ist die Praxis, also tun, tun und immer wieder versuchen, lieber länger als 
zu kurz, mit Geduld eben. Schließlich willst du es ja lernen und kannst es 
erst dann.

W W W. B E W U S S T WA N D E R N . O R G       2 9 7

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