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H A N D B U C H   D E S   B E W U S S T WA N D E R N S   O N L I N E

hinabzuschweben. All die tausend Dinge – sie verschwimmen langsam in 
ihrer Vielfalt. 
Sie werden zu einem Meer. Grünlich bis dunkelschwärzlich, auch blau. 
Lebhaft schimmert das Wasser nun und veränderlich wogen die Elemente 
der Vielfalt, Gedankengänge schlängeln sich vorbei. Mit jedem bewussten 
Atemzug   kommst   du   der   Wasseroberfläche   näher,   steigst   mit   jedem 
Atemzug empor aus den dunklen Tiefen des Alltags und der Vielfalt, bis 
dein  Kopf  das   Wasser   durchstößt   und  du  in   einen  weiten  strahlenden 
Himmel schaust – nur ein paar Pusteblumen, ein belegtes Brötchen, drei 
Knollen Topinambur, bunte Gitarrenplättchen und Glimmerkindermurmeln 
rinnen dir noch vom Kopf ins Meer der Vielfalt zurück.
Ein sonniger Tag, die Wellen wild und du siehst einen Strand, wie er nur in 
deiner jetzigen Vorstellung existieren kann, genau so wie du ihn dir jetzt 
vorstellst, so perfekt ist er auch. Von mir aus mit allem, was dazugehört. 
Am  besten,   du  machst  dir   gar   kein  Bild,   sondern  lässt   dein  wohliges 
Zuhausegefühl gestalten, der Rest wird perfekt. 
Du lässt dich von den Wellen der Vielfalt an den Strand heben, du streckst 
die Arme und Beine von dir wie ein Gestrandeter es eben tut, wenn er für 
den  Moment  ein  neues  Leben  bekommen  hat   und  du  bleibst   mit  dem 
Rücken im weichen warmen Sand oder der stabilen Seitenlage liegen und 
entspannst alles, was du deine Körpereinheit nennst. In diesem Moment 
bist du nur »zu Hause – an deinem Strand«. Mögen die Wellen der Vielfalt 
rauschen und schäumen... Strand, Strand, Strand und nochmals oberfetter, 
friedlicher, liebevoller, geschmeidiger, echter Strand – solange du willst.

Prinz: Es empfiehlt sich, meinen Strand weitestgehend gedankenfrei und 

ausgesöhnt zu belassen und ihn erst recht nicht mit irgendwelchen  

»folgerichtig-rationalen Vielfaltsmüll« oder Ideologien zu verschmutzen.  

Finde ich übrigens etwas Derartiges herumliegen und vor sich 

hindenken, dann schmeiße ich den verführerischen Gedankengang gleich 

wieder ins Wasser, wo er sich fröhlich mit der Vielfalt vereinigen und 

ausschlingeln kann! Auf einem sauberen Strandzuhause fällt einem am  

besten auf, was ganz aktuell der Aussöhnung bedarf, was einem noch 

durch den Kopf geht, wie weit die Stimmung noch der Umstimmung auf 

ein vertrauteres Zuhausegefühl bedarf.

Diese   imaginäre   Auftauch-,   Schwimm-   und   Strandaktion   ist   eine 
Aufwärmübung für dein Nervensystem und seine neuronalen Wirkeinheiten 
und  zugleich  Entspannungsübung  für  deine  Körpereinheit.  Mit  der  Zeit 
lernst   du   dein   »breites   Strandzuhausegefühl«   besser   kennen   oder 
entwickelst   es   eben   ganz   neu.   Du   kennst   dich   besser   mit   deinem 

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