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H A N D B U C H   D E S   B E W U S S T WA N D E R N S   O N L I N E

1. Meditationsvorbereitung (Nervensystemaufwärmphase):
Beispiel: »Heimkommen an deinen Strand«.

Prinz: Ich suche mir als Meditationsanfänger ein angenehmes, ruhiges, 

sicheres Plätzchen und mache es meiner Körpereinheit bequem. Ich kann  

mich auf den Rücken legen und lasse die Hände locker auf dem Bauch  

liegen. Mir sollte nichts schmerzen, drücken, kneifen, jucken oder  

knurren. Dann atme ich 10-20-Mal bewusst durch und schließe dabei die 

Augen.

Ich achte darauf, dass mein Atem allmählich ruhiger und gleichmäßiger  

wird. Zwischen Ein- und Ausatmen lasse ich bewusst einige Sekunden 

verstreichen. Ich versuche die Atmung, den Sauerstoff zu genießen und 

die Luft stetig tiefer in die Lungen  hineinströmen zu lassen. 

Ich stell mir vor, wie der Sauerstoff gebunden wird und unzähligen Zellen 

meines Körpers wie ein Lebenselixier zufließt und dann über die 

Zellatmung meine Lebensgeister und meine Lebensenergie freisetzt... Ich 

stelle mir vor wie Elektronen, Atome, Moleküle... vor Millionen von  

Jahren immer und immer wieder durch die Körper meiner Vorfahren  

wanderten... immer wieder aus den Blattporen der Pflanzen in die Luft 

drängen, sich in und über den skandinavischen, kanadischen, 

mittelamerikanischen, russischen... Waldländern aufhalten... aufsteigen  

über dem sonnendurchwärmten Boden und Blattwerk und von sich selbst 

im Wind durchmischt werden... Ich stell mir vor wie meine Körpereinheit 

an Nebeltagen von Wasserdampf umfangen wird... wie sich Kreidefelsen  

im Meerwasser lösen... irgendwann CO2 in die Atmosphäre entweicht...  

oder wie heiße Gesteine in die Atmosphäre geschleudert werden... oder 

wie sich auf dem Meeresboden Muschelschalen über Muschelschalen  

türmen... in den Milliarden von Bodenporen kleine Tropfen ruhen... 

Nun stellst du dir ein alles umfassendes Meer vor. Es ist das »Meer des 
Lebens,   das   Meer   der   Vielfalt   und   Veränderung«,   mit   kleinen 
Quietschentchen, Stoppelfeldern, Malstiften, Gitarren, Häusern klein und 
groß,  Autos,   Sternen,   Lampions,   gebrauchten  Taschentüchern,  ein  altes 
Sofa kommt vorbei, die Mütze deines Onkels mit samt dem Hasenstall und 
dem Misthaufen, einige Müllkippen strudeln vorüber, der kleine Klaus und 
sein Nuckel, Schiffe, Pflanzen, ein Faultier mit einem bunten Kennypflaster 
am   kleinen   Faultierfinger,   es   hat   sich   an   die   Mufu-Küchenmaschine 
geklammert – doch es schaut so geschmeidig und gelassen wie du auf die 
Tausend Dinge, die dich jeden Tag umgeben und nun mit dir im Meer der 
Vielfalt schwimmen und schweben. Sie werden von den Wellen verwirbelt, 
vermengen und verbinden sich zu größeren Wirkeinheiten, um bald darauf 
wie   Plankton   in   die   unendlichen,   schwarzen   Tiefen   des   Meeres 

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