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H A N D B U C H   D E S   B E W U S S T WA N D E R N S   O N L I N E

und somit ganz bewusst beeinflusst und gestaltet worden sind oder werden. 
Manch eine Genussdroge ist so clever produziert, dass sie sich in die letzen 
Windungen  deines  Hirns   frisst,   ob  du  nun  willst   oder  nicht,  du  musst 
hingucken, hören oder riechen. Es gibt heute genug Situationen die dein 
Nervensystem und deine Persönlichkeit manipulieren können. Einige vom 
Menschen   gemachte   Beiträge   zur   Vielfalt   packen   dich   an   deinen 
natürlichen  »Schwachstelle«,   spielen   mit   deinen   Ängsten,   deiner   Lust, 
deinen Wünschen und Sehnsüchten.  Denk nur mal an einen Fernsehabend, 
die   Werbung,   Lustspiel-   oder   Horror-   oder   Gewaltfilme,   Nachrichten, 
Kriegsberichte, Pornos, DVD-Geschichten, das Parfüm deiner Freundin, 
denke an die Geschmacksverstärker und Aromen im Knabberspaß vor euch 
auf dem Tisch.
Die Vielfalt wird vom Menschen vervielfacht und potenziert, sie scheint zu 
explodieren und stürmt immer intensiver auf dich ein. Du lebst nicht mehr 
nur in einer Urhorde von 20-100 Mann. 
Dein   Nervensystem   muss   auch   den   Hunger   in   Afrika,   das   rustikale 
Festessen  in  der  musealen  Ritterburg,  das  Erdbeben in  der Türkei,  die 
Megadisco,   den  Bürgerkrieg  in   Somalia,   den  Börsenbericht,   die   letzte 
Krebsstatistik und den Suizid von Lehrer Lämpel und die Bücherreihen der 
Bibliothek,   die   Todesstrafe   nach   Fehlurteil,   die   Europapolitik   und   die 
Bundespolitik,   dein   Muttermal,   die   Eiscremewerbung,   die 
Kommunalpolitik und das alltägliche Familienleben, den Urlaub an der See 
und das Konzert mit 50 000 Personen, den Einkauf und die vielen süßen 
Kinderfragen,   die   Renovierung,   den   letzten   Kneipenabend,   den   letzen 
Bauabschnitt auf Arbeit, die Fahrtkostenabrechnung, die Steuererklärung, 
die   Vielfalt   der   Spielzeugkiste   deines   Nachwuchses,   das 
Versöhnungsgeschenk   für   den   Nachbarn,   das   letzte   Buch,   die   TV-
Programmzeitschrift,   die   Kirchenbesuche,   die   gefühlsheftigen 
Körperwelten mit  Freund  oder Freundin gestern Abend und  noch 1000 
unwichtige und wichtige, kleine und große, nahe und ferne Umweltreize, 
Dinge, Genussdrogen, Wirkeinheiten mehr – verarbeiten bzw. wieder für 
dich aussöhnen.
Dieser   gesteigerten   Häufigkeit   der   bewusst   oder   unbewusst   erlebten 
Situationen  ist   der  Schlaf  oft  nicht  mehr  ausreichend  gewachsen.  Hier 
solltest   du   auch   bewusst   und   aktiv   die   Schutz-,   Aussöhnungs-   bzw. 
Verarbeitungsfunktion des Schlafs während der Ausbildung unterstützen, 
sonst   kommt   es   zu   Schlaflosigkeit,   Reizüberflutung,   Nervosität, 
Existenzängsten und Sinnkrisen, wo gar keine nötig gewesen wären.

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