background image

H A N D B U C H   D E S   B E W U S S T WA N D E R N S   O N L I N E

bleibt gestört, was sich auch negativ auf die Effektivität der Wanderungen 
und auf deine Neugier auswirkt. Das ist vergleichbar mit der unbeholfenen 
Situation eines Kindes vor der Zeit der selbständigen Geschäfte.
Es ist nicht selten hautnah zu erleben, wie auf offener Strasse, in Bus und 
Bahn,   beim   Einkauf   oder   an   der   Bar,   im   Bett   oder   sogar   in   netten 
Urlaubsituationen oder  bei  den Mahlzeiten  zu Tisch, spontan und ohne 
Rücksicht   auf   die   Umgebung  geradezu   archaisch   geistig   und   lauthals 
ausgesöhnt  wird,   was   das  Zeug  hält.   Männer  und  Frauen,  Kinder  und 
Greise   gleichermaßen.   Du   solltest   als   erwachsener   Mensch   und 
Bewusstwanderer diesen feierlichen Akt zelebrieren.
Klassischen  Quasselstrippen  fehlt  weitgehend  das   Bewusstsein  für  ihre 
allgemein belastende und überaus uneffektive Art sich geistig auszusöhnen, 
besonders   wenn  sie   kaum  einmal  den  Gesprächspartner   zum  Geschäft 
kommen lassen!
Ohne  Rücksicht  auf   die Alltagssituation  auszusöhnen  ist   verführerisch, 
denn immer wenn etwas den Körper verlässt, was ihn verlassen muss, hat 
das ja auch Genussaspekte, vor allem wenn der Punkt des Ansiechhaltens 
überschritten ist. Dies gilt auch für das geistige Aussöhnen. Es sind überaus 
natürliche   Momente,   denn  immer   wenn  wir   uns   lösen,   tritt   ja   unsere 
stofflich-energetisch-geistige   Verbindung   mit   dem   Umgebungssystem 
deutlich hervor. 
Wir   Menschen  haben   uns   über   viele   Jahrtausende  im  überschaubaren 
Sozialverband entwickelt – wir sind Hordentiere geblieben – und können 
uns  aus  diesem  Grund  auch  heute  noch  leicht  an  Freud  und  Leid  des 
Mitmenschen beteiligen. Denn was ein Hordenmitglied der Horde anging, 
betraf   auch   irgendwo   die   gemeinsam   lebenden   Hordenmitglieder 
existenziell. Das »mit Durchmachen von Situationen«, das »Mit-leid« und 
die  »Mit-freude«  (mit  den  eigenen.  bekannten Artgenossen)  haben  hier 
vielleicht ihren Ursprung. Und so ist das Aussöhnen durchaus ein Ereignis, 
welches   gemeinschaftlich   genossen   werden   kann,   sofern   sich   an 
»Hygienenormen«  gehalten wird. Beim  geistigen Aussöhnen sollten wir 
bedenken, dass heute eine größere Anzahl oder unbeteiligtere, ja geradezu 
teilnahmslose Gesellschaftsteilnehmer in der Öffentlichkeit zugegen sein 
können als früher in der Urhorde.  
Selbst- und Nächstenliebe bzw. Respekt, eine Portion Demut, Hingabe, ein 
deftiger   Schuss   Humor   und   Kompromissfähigkeit   und   vor   allem 
Dankbarkeit,   wäre   für   solch   ein   pikantes,   zwischenmenschliches, 
neuronales

 

Hygieneereignis

 

eine

 

viel

 

versprechende 

Eigenschaftskombination im Sinne der kleinen Genussdrogenschule.  
Alles will gelernt sein und du brauchst dich fürs Erste nicht und schon gar 
nicht   vor   dir   selbst   zu   schämen,   denn   jeder   Mensch   muss   rational-

B E W U S S T WA N D E R N . O R G       2 6 2

10

20

30

40