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H A N D B U C H   D E S   B E W U S S T WA N D E R N S   O N L I N E

sinnvoll bzw. wirkungsvoll dauerhaft miteinander verbinden. 
Die neuronalen Wirkeinheiten können dabei recht flexibel wirkungsvolle 
Direktverbindungen   (synaptische   Verbindungen)   zueinander   auf-   und 
abbauen   und   außerdem   kann   die   Verbindungsstärke   zwischen   den 
neuronalen Wirkeinheiten über Synapsen und ihre chemischen Botenstoffe 
(Neurotransmitter)   variiert   werden,   um   die   Wirkzusammenhänge   und 
Wirkungsfelder   der   Umgebung   zu   »kopieren«.   Dabei   organisiert   und 
entwickelt   sich   das   Nervensystem   nicht   nur   von   selbst   und   mit   den 
unmittelbaren Einwirkungen der Umgebung, sondern auch innerhalb der 
Ontogenese des ganzen Körpers und seiner Umwelt in der im Laufe der 
Evolution entstandenen Bahn.
Glaubst  du  den  Erkenntnissen  der  Naturwissenschaften,  dann hatte  das 
Nervensystem eine entscheidende Fähigkeit spätestens vor etwa 200 000 
Jahren   erreicht.   Die   menschliche   Körpereinheit   hatte   die   Fähigkeit 
erworben,  die  Unausweichlichkeit  ihres   eigenen  Todes  und  Zerfalls   zu 
erkennen und darauf zu reagieren und zwar lange bevor das individuelle 
Leben tatsächlich endet. 
Aber egal wann und wie genau das Todesbewusstsein entstanden ist, es 
lässt sich grundsätzlich und folgerichtig-rational mit dem Verbindungs- und 
Entstehungsprinzip verstehen, es ist entstanden und existent und es hat auch 
heute noch enorme Auswirkungen auf das Leben. 
Es   bestatten   viele   menschliche   Wirkeinheiten   seit   mindestens   200000 
Jahren   einander.   Dies   beweisen  Ausgrabungen  von  Gräbern   mit   ihren 
Grabbeigaben  (Blumen,  Nahrung)  aus dieser Zeit. Wenn du  schon mal 
einen  Menschen  beerdigt  hast,   weißt  du,  dass   es  eine Tat  ist,   die  das 
Bewusstsein vom Tod benötigt. Spätestens während du für deinen Freund 
oder Vater ein Grab schaufelst, wirst du dir deines zukünftigen Schicksals 
bewusst.   In  diesem  Bewusstsein  liegt   sicherlich  der   Grund  von  vielen 
menschlichen Problemen, die bis heute noch  nicht abschließend geklärt 
sind.   Denn   dem   Begräbnis   des   geliebten   Mitmenschen   folgt   auch 
unweigerlich die Frage nach dem eigenen »danach«. Nun kann sich ein 
menschliches,   folgerichtig-rationale   denkendes   Gehirn   schlecht   etwas 
Alleinstehendes vorstellen, denn dieses Denken ist immer polarisierend. 
Und so entstand die gedankliche Vorstellung von »nach dem Leben« wie 
von allein und zwingend mit der Fähigkeit des folgerichtig-rationalen, also 
polarisierenden Denkens im Laufe der menschlichen Evolution.
Das hast du als Kind auch schon hinter dir und vielleicht bist du immer 
noch nicht schlauer. Bei der Beantwortung dieser Frage scheiden sich die 
Geister   (die   Gehirne)   und   ihre   Weltanschauungen,   gedanklichen 
Aussöhnungsversuche, Vorstellungen und Meinungen besonders deutlich, 
denn wer hat schon handfeste Beweise oder besser gesagt, Erlebnisse auf 

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