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H A N D B U C H   D E S   B E W U S S T WA N D E R N S   O N L I N E

Das ist jedoch gar nicht so erstaunlich, wenn du dir vorstellst, dass du ja so 
etwas wie ein Spross deiner Umgebung bist. Also, Atome oder was auch 
immer – verbinden sich zu immer größeren Wirkeinheiten, wie Zellkernen, 
Zellen,   verschiedenen   Nervenzellen,   Nervenzellbereichen   und   zu   dem 
ganzen grauwabbeligem Ding in deinem Kopf und dem feinen Nervennetz, 
welches  deinen  gesamten  Körper   durchzieht  und  durchwirkt,   sogar   bis 
hinab in den kleinen Zeh. Es kann sich selbst bewusst werden und von sich 
berichten, zum Beispiel mit diesen Zeilen.
Die   Nervenzellen  und  ihre   größeren  neuronalen  Wirkeinheiten  können 
einen  Teil   des   Beziehungs-   bzw.   Verbindungs-   oder   Wirkungsumfeldes 
einer Wirkeinheit ihrer Umgebung funktionell nachbilden. 
Wenn du dein Bewusstsein verstehen und kennen lernen willst, musst du 
dich nur geduldig und liebevoll mit ihm und mit anderen Wirkeinheiten im 
Alltag   unterhalten.   Freundschaftlich  versteht   sich,   sonst   kommst  du  in 
Teufelsküche.   Ihr   dürft   euch   also   kennen   lernen   und   gemeinsam   an 
Alltagsproblem arbeiten. 
In   der   Gestalt   der   neuronalen   Wirkeinheiten   offenbart   sich   dir   im 
Mikroskop  tatsächlich   direkt   das   Verbindungsprinzip.   Kooperation   und 
Individualität ist dort milliardenfach offensichtlich und erkennbar und es 
fällt dir wie Schuppen von den Augen. Dein Nervensystem hat dazu die 
Fähigkeit,   recht   flexibel   und   differenziert   wirkungsvolle   Verbindungen 
zwischen den neuronalen Wirkeinheiten herzustellen und wieder zu lösen. 

Prinz: Praktisch, denn da draußen in meiner Umgebung ändern sich ja 

schließlich auch ständig irgendwelche Verbindungen zwischen den 
Wirkeinheiten. Und es gibt draußen auch stärkere und schwächere 

Verbindungen. 

Mit   Hilfe   der   Umgebungsveränderungen   verknüpft   und   bastelt   dein 
Nervensystem  immer   umfangreichere   neuronale   Wirkeinheiten   zurecht. 
Sagen wir zum besseren Verständnis: Dein Nervensystem kopiert immer 
deutlicher das komplexe, vielfältige Wirkungs- und Beziehungsnetz deiner 
Umgebung und macht es für dich erlebbar. Zum einen erst einmal denkend 
erlebbar und zum anderen emotional erlebbar. Besser gesagt: Neuronale 
Wirkeinheiten mit ihren umfangreichen Verbindungsmöglichkeiten kopieren 
/   basteln   das   Verbindungs-,   Beziehungs-,   Wirkungsumfeld   –   eines 
speziellen Teils von Interesse – aus deiner Umgebung nach.
Dein   Kopf   ist   also   keine   Ramschkiste   mit   Miniaturwirkeinheitskopien 
deiner   Umgebung  (kleine   Lokomotiven,   Käsebrötchen,   Bäumchen,  alle 
kleinen Wörter...), nein vielmehr eine Raumkiste mit kleinen materiellen 

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